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Welche Höhe hat ein Flugzeug über meinem Ort? Die 3-Grad-Regel zum Selberrechnen

2026-08-31 · TOWER LOG

Im Landeanflug sinken Verkehrsflugzeuge weltweit auf einem Gleitweg von drei Grad. Daraus wird eine Faustformel, die du im Kopf rechnen kannst: Entfernung zur Landebahnschwelle in Kilometern mal 52 ergibt die Höhe über dem Flughafen in Metern. Sechs Kilometer vor der Bahn sind das rund 315 Meter. Die Regel ist erstaunlich genau – aber nur im Endanflug, nur auf der verlängerten Bahnachse und definitiv nicht beim Start.

Warum ausgerechnet drei Grad

Der Gleitweg von 3,0 Grad ist der internationale Standard für den Endanflug. Er ist flach genug, dass ein voll beladener Jet ihn mit vertretbarem Schub und ohne übermäßiges Bremsen halten kann, und steil genug, dass die Maschine zügig herunterkommt. Vorgegeben wird er vom Gleitwegsender des Instrumentenlandesystems – wie das technisch funktioniert, steht in Wie funktioniert ein ILS?

Weil der Winkel fest ist, ist die Höhe über jedem Punkt der Anfluglinie eine reine Rechenaufgabe. Drei Grad entsprechen einer Steigung von 5,24 Prozent. Daraus folgen die drei Zahlen, die man sich merken kann:

Die Tabelle für deinen Ort

Die Werte gelten für die Höhe über dem Flughafenniveau. Düsseldorf liegt bei rund 45 Metern über NN (147 Fuß), Köln/Bonn bei rund 92 Metern (302 Fuß).

Entfernung zur SchwelleHöhe über Flughafenniveauetwa in Fuß
1 kmca. 50 m170 ft
2 kmca. 105 m345 ft
3 kmca. 155 m515 ft
4 kmca. 210 m690 ft
5 kmca. 260 m860 ft
6 kmca. 315 m1.030 ft
8 kmca. 420 m1.375 ft
10 kmca. 525 m1.720 ft
12 kmca. 630 m2.065 ft
15 kmca. 785 m2.580 ft
18 kmca. 945 m3.095 ft
20 kmca. 1.050 m3.440 ft

Über der Schwelle selbst ist das Flugzeug nicht bei null, sondern bei rund 15 Metern – dieser Sockel steckt in der Tabelle nicht drin, weil er ab zwei, drei Kilometern in der Messungenauigkeit untergeht.

Die drei Fehler, an denen die Rechnung meistens scheitert

Die Formel ist trivial. Falsch wird das Ergebnis fast immer beim Messen.

Fehler 1: zum Terminal statt zur Bahnschwelle gemessen. Bezugspunkt ist der Anfang der Landebahn, auf die angeflogen wird – nicht der Flughafen als Ganzes und schon gar nicht das Terminal. Bei einer drei Kilometer langen Bahn liegen zwischen beiden Enden gut 150 Höhenmeter. Und welches Ende gilt, hängt an der Betriebsrichtung: In Düsseldorf wird bei Westbetrieb auf 23L/23R gelandet, bei Ostbetrieb auf 05L/05R – Betriebsrichtung 05 vs. 23 erklärt, wann was gilt. Eine Feinheit obendrauf: In Düsseldorf sind die Schwellen beider Bahnen um jeweils 300 Meter nach innen versetzt. Das kostet dich rund 16 Meter Genauigkeit und darf dir egal sein.

Fehler 2: Luftlinie statt Entfernung auf der Anflugachse. Die Formel beschreibt den Abstand entlang der verlängerten Bahnachse. Liegt dein Ort seitlich davon, ist die Luftlinie zur Schwelle länger als die Strecke, die für die Höhe zählt – du rechnest dir das Flugzeug zu hoch. Praktisch misst man deshalb so: Bahnachse gedanklich verlängern, auf dieser Linie den Punkt suchen, der deinem Ort am nächsten liegt, und diese Entfernung nehmen.

Fehler 3: die eigene Geländehöhe vergessen. Das Radar zeigt die Höhe über dem Meeresspiegel, nicht über deinem Dach. Wer selbst höher wohnt als der Flughafen, hat die Maschine entsprechend näher. Ratingen etwa reicht von 37 bis 169 Meter über NN – zwischen dem tiefsten und dem höchsten Punkt der Stadt liegen 130 Meter, mehr als der komplette Höhengewinn von zweieinhalb Kilometern Anflugstrecke. Die ehrliche Rechnung lautet deshalb:

Höhe über dir = (Entfernung in km × 52) + Flughafenhöhe − Geländehöhe deines Ortes

Wo die Regel aufhört zu gelten

Jetzt der Teil, den die meisten Faustformel-Sammlungen weglassen. Der Drei-Grad-Gleitweg beginnt nicht am Horizont, sondern an dem Punkt, an dem die Maschine aus dem Horizontalflug in den Gleitweg einschwenkt. Typischerweise passiert das bei etwa 4.000 Fuß – das sind rund 1.200 Meter und damit knapp 23 Kilometer vor der Schwelle.

Innerhalb dieser Strecke ist die Regel gut. Außerhalb wird sie auf zwei verschiedene Arten falsch:

Entfernung zur SchwelleWas das Flugzeug tutDie Regel …
0–20 kmstabilisierter Endanflug auf dem Gleitwegstimmt, meist auf wenige Dutzend Meter
ca. 20–40 kmHorizontalflug auf einer zugewiesenen Höhe vor dem Einschwenkenrechnet zu hoch – die Maschine hängt tiefer, als der Winkel vermuten lässt
über ca. 40 kmSinkflug aus der Reiseflughöhe, oft in Stufenrechnet zu tief – dort ist noch reichlich Höhe übrig
seitlich der AchseRadarvektoren, Gegen- und Queranfluggilt gar nicht

Der mittlere Fall überrascht viele: Ausgerechnet dort, wo man das Flugzeug für „noch weit oben“ hält, hängt es schon auf einer festen Zwischenhöhe. Warum der Anflug überhaupt aus solchen Stufen besteht und was das für den Lärm bedeutet, steht in Warum sinken Flugzeuge nicht gleichmäßig? Und wer wissen will, wie lange die ganze Strecke dauert, findet die Zeitrechnung in Wie lange dauert der Anflug auf Düsseldorf?

Beim Start funktioniert die Formel nicht

Der naheliegende Gedanke – Regel einfach umdrehen und auf Abflüge anwenden – geht schief. Ein Steigflug ist deutlich steiler als ein Anflug, und vor allem ist er nicht standardisiert.

Die einzige feste Zahl ist eine Untergrenze: Instrumentenabflugverfahren werden nach den ICAO-Kriterien auf einen Steiggradienten von 3,3 Prozent ausgelegt, also 200 Fuß pro Nautischer Meile. Das ist aber kein Erwartungswert, sondern das Minimum, das dem Verfahrensentwurf zugrunde liegt und die Hindernisfreiheit sichert. Real steigt ein Verkehrsflugzeug direkt nach dem Abheben mit grob 400 bis 700 Fuß pro Meile – dem Zwei- bis Dreifachen des Anflugwinkels.

Warum die Streuung so groß ist:

Für Abflüge gibt es deshalb nur eine ehrliche Methode: nachsehen statt rechnen.

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Die Gegenprobe im Live-Radar

Rechnen ist die eine Hälfte, Nachprüfen die andere. So kontrollierst du deine Zahl an einer echten Maschine:

  1. Flieger anklicken und die ALT-Anzeige lesen. Das ist die barometrische Höhe über dem Meeresspiegel in Fuß. Ziehe die Geländehöhe deines Ortes ab – erst dann hast du den Abstand über dir.
  2. Prüfen, ob die Maschine überhaupt auf der Achse ist. Ein Flugzeug im Gegen- oder Queranflug fliegt seitlich vorbei und hält dabei eine konstante Höhe. Wie diese Zickzack-Muster aussehen, steht in Radarvektoren: Warum Flugzeuge im Anflug Zickzack fliegen.
  3. Auf krumme Zahlen achten. Runde Werte wie 4.000 oder 6.000 Fuß bedeuten Horizontalflug auf einer zugewiesenen Höhe – dort gilt die Formel nicht. Ein Wert wie 2.140 Fuß, der sich beim nächsten Update weiterbewegt, ist echter Sinkflug auf dem Gleitweg.
  4. Über 5.000 Fuß wird es ungenau. Oberhalb der Übergangshöhe zeigen die Transponder Flugflächen auf Basis der Standardatmosphäre statt der tatsächlichen Höhe über NN. Was dahintersteckt, erklärt Wie hoch fliegen Flugzeuge im Reiseflug?

Wenn deine Rechnung und die Anzeige um mehr als ein paar Dutzend Meter auseinanderliegen, ist meistens nicht die Formel schuld, sondern einer der drei Messfehler oben – oder die Maschine ist schlicht noch nicht auf dem Gleitweg. Den passenden Kartenausschnitt für die eigene Adresse gibt es unter Flugzeuge über Düsseldorf und Flugzeuge über Köln. Ob die errechnete Höhe zulässig ist, klärt Wie tief darf ein Flugzeug über mein Haus fliegen?

Häufige Fragen

Wie berechne ich die Flughöhe über meinem Ort?

Miss die Entfernung von deinem Ort zur Schwelle der aktiven Landebahn entlang der verlängerten Bahnachse und multipliziere die Kilometer mit 52. Das Ergebnis ist die ungefähre Höhe in Metern über dem Flughafenniveau, weil der Endanflug einem Gleitweg von drei Grad folgt. Sechs Kilometer ergeben rund 315 Meter, zehn Kilometer rund 525 Meter. Rechne die Höhe des Flughafens dazu – in Düsseldorf 45 Meter über NN, in Köln/Bonn 92 Meter – und ziehe die Geländehöhe deines eigenen Standorts ab, um den tatsächlichen Abstand über dir zu erhalten.

Ab welcher Entfernung stimmt die 3-Grad-Regel nicht mehr?

Ungefähr ab 20 bis 23 Kilometern vor der Bahn. Dort schwenkt die Maschine typischerweise bei rund 4.000 Fuß aus dem Horizontalflug in den Gleitweg ein; weiter draußen fliegt sie auf zugewiesenen Zwischenhöhen und ist dann tiefer, als die Formel vorhersagt. Erst jenseits von etwa 40 Kilometern dreht sich das um, weil das Flugzeug dort noch aus der Reiseflughöhe herunterkommt. Seitlich der verlängerten Bahnachse – also im Gegen- oder Queranflug – gilt die Regel gar nicht.

Kann man die Höhe beim Start genauso ausrechnen?

Nein. Der Steigflug ist weder standardisiert noch gleichmäßig. Instrumentenabflugverfahren werden nach ICAO-Kriterien lediglich auf ein Minimum von 3,3 Prozent ausgelegt, also 200 Fuß pro Nautischer Meile; tatsächlich steigt ein Verkehrsflugzeug anfangs eher mit 400 bis 700 Fuß pro Meile. Wie steil genau, hängt an Muster, Beladung und Außentemperatur – und in der Beschleunigungsphase, in der die Klappen eingefahren werden, steigt die Maschine zeitweise kaum. Bei Abflügen hilft nur der Blick ins Live-Radar.

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