Betriebsrichtung 05 vs. 23 in Düsseldorf: Was Ostbetrieb für Anwohner heißt
Betriebsrichtung 23 bedeutet: Starts und Landungen laufen nach Südwesten – das ist in Düsseldorf der Normalfall mit rund 70 bis 80 Prozent aller Bewegungen. Bei Betriebsrichtung 05 dreht sich alles um 180 Grad: Dann wird nach Nordosten Richtung Ratingen gestartet und aus Südwesten über Neuss und Meerbusch angeflogen. Für Anwohner heißt Ostbetrieb deshalb nicht „mehr Verkehr", sondern „Verkehr auf der anderen Seite" – und auf der Ratinger Seite zusätzlich: Startlärm statt Anfluglärm.
Was die Zahlen 05 und 23 überhaupt bedeuten
Die Nummer einer Landebahn ist nichts anderes als ihr magnetischer Kurs, gerundet und durch zehn geteilt. Die Düsseldorfer Bahnen liegen auf etwa 050 Grad beziehungsweise – in der Gegenrichtung – auf 230 Grad. Daraus werden die Bezeichnungen 05 (Nordost) und 23 (Südwest). Es ist dieselbe Betonpiste, nur in der jeweils anderen Richtung benutzt.
Düsseldorf hat davon zwei, parallel im Abstand von 500 Metern:
- 05R/23L – die Südbahn, rund 3.000 Meter lang.
- 05L/23R – die Nordbahn, rund 2.700 Meter lang.
Das „L" und „R" steht für links und rechts aus Sicht des anfliegenden Piloten – deshalb wird aus der Südbahn 05R beim Anflug von der anderen Seite die 23L. Wegen des geringen Bahnabstands sind die beiden Pisten betrieblich nicht unabhängig voneinander nutzbar; die Nordbahn ist zudem durch den Angerlandvergleich von 1965 eingeschränkt und darf nur zwischen 6 und 22 Uhr und nur für eine begrenzte Stundenzahl pro Woche mitgenutzt werden.
Warum überhaupt gewechselt wird: der Wind
Flugzeuge starten und landen gegen den Wind. Gegenwind bringt zusätzlichen Auftrieb bei kleinerer Geschwindigkeit über Grund – der Startlauf wird kürzer, die Landung sicherer und langsamer. Rückenwind wirkt genau andersherum, deshalb wird die Betriebsrichtung gewechselt, sobald die Rückenwindkomponente einen betrieblich festgelegten Wert überschreitet. Weil in NRW überwiegend West- und Südwestwind weht, läuft der Flughafen die meiste Zeit in Richtung 23.
Ostbetrieb kommt deshalb selten einzeln vor, sondern meist in Blöcken: Eine stabile Hochdrucklage mit östlicher Strömung bringt gern mehrere Tage am Stück Betriebsrichtung 05. Wer auf der Ratinger Seite wohnt, erlebt das als plötzlichen Wechsel – wochenlang Ruhe, dann drei Tage Dauerbeschallung. Warum sich das anfühlt wie „heute fliegen mehr", steht in Warum fliegen heute so viele Flugzeuge über mein Haus?
Betriebsrichtung 23 (Westbetrieb): der Normalfall
Rund 70 bis 80 Prozent des Jahres – je nach Wetterlage schwankt der Anteil – läuft der Betrieb nach Südwesten. Dann gilt:
- Anflüge kommen aus Nordosten herein: über Essen-Kettwig, Ratingen und Mettmann, in gerader Verlängerung der Bahnen.
- Starts gehen nach Südwesten hinaus, über Meerbusch-Büderich, und verteilen sich anschließend auf die Abflugstrecken.
Die Abflüge im Westbetrieb verteilen sich laut Flughafen ungefähr so: 47 Prozent südlich über Kaarst und Neuss-Holzheim, 27 Prozent nördlich über Meerbusch-Lank-Latum, 24 Prozent nordwestlich über Tönisvorst und rund 2 Prozent über Meerbusch-Strümp.
Betriebsrichtung 05 (Ostbetrieb): die gedrehte Welt
An den restlichen etwa 20 bis 30 Prozent der Zeit kippt der Betrieb. Dann gilt das genaue Gegenteil:
- Anflüge kommen aus Südwesten: über Neuss, Kaarst und Meerbusch (Osterath, Büderich) – dort, wo sonst die Starts hinausgehen.
- Starts gehen nach Nordosten Richtung Ratingen. Sie fliegen zunächst geradeaus und zweigen etwa auf Höhe des Bereichs zwischen Ratingen-Breitscheid und Hösel ab.
Die Ostabflüge teilen sich fast hälftig: rund 51 Prozent drehen nördlich über Mülheim und Essen ab, rund 49 Prozent östlich über Heiligenhaus und Velbert. Ein verschwindend kleiner Rest von etwa 0,1 Prozent geht westlich über Mülheim-Saarn.
Die beiden Richtungen im direkten Vergleich
| Richtung 23 (Westbetrieb) | Richtung 05 (Ostbetrieb) | |
|---|---|---|
| Anteil | ca. 70–80 % | ca. 20–30 % |
| Wind | West- bis Südwestwind | Ostwind, oft Hochdrucklage |
| Anflug über | Essen-Kettwig, Ratingen, Mettmann | Neuss, Kaarst, Meerbusch |
| Abflug über | Meerbusch-Büderich, dann Kaarst/Lank-Latum/Tönisvorst | Ratingen, dann Mülheim/Essen oder Heiligenhaus/Velbert |
| Lärmcharakter Ratingen | sinkender Anflug, gleichmäßig | Startschub im Steigflug, kurz und laut |
Warum Ostbetrieb subjektiv lauter wirkt
Wer bei Betriebsrichtung 05 unter der Abflugstrecke wohnt, hört etwas grundsätzlich anderes als im Westbetrieb. Ein Anflug kommt mit gedrosselten Triebwerken herunter – die Maschine gleitet mehr, als dass sie schiebt. Ein Start dagegen läuft mit hoher Leistung im Steigflug: Das ist der lauteste Betriebszustand eines Verkehrsflugzeugs überhaupt. Dazu kommt der Gewöhnungseffekt. Anfluglärm über Ratingen ist Alltag, Startlärm über Ratingen ist die Ausnahme – und Ausnahmen fallen auf.
Und noch ein Punkt: Bei Ostwind trägt die Luftschichtung den Schall oft anders. Warum derselbe Flieger an manchen Tagen deutlich lauter beim Boden ankommt, steht im Detail in Fluglärm Düsseldorf: Wann es laut wird und welche Seite betroffen ist.
Was der Wechsel für die Nacht bedeutet
Die Betriebsrichtung ändert nichts an den Betriebszeiten: Planmäßige Starts sind auch im Ostbetrieb nur bis 22 Uhr möglich, planmäßige Landungen bis 23 Uhr, verspätete Landungen lärmarmer Jets bis 23:30 Uhr. Was sich ändert, ist nur die Himmelsrichtung, aus der die späten Maschinen kommen. Die kompletten Regeln stehen in Nachtflugverbot Düsseldorf: Die Regeln einfach erklärt.
So siehst du in 10 Sekunden, welche Richtung gerade läuft
Du brauchst dafür weder Wetterbericht noch Flughafen-Website. Auf dem Live-Radar von aplanebox.com siehst du die Flugspuren rund um Düsseldorf in Echtzeit. Die Faustregel: Ziehen die tiefen Maschinen von Nordosten auf den Flughafen zu, läuft Betriebsrichtung 23. Kommen sie aus Südwesten herein und steigen stattdessen Richtung Ratingen weg, ist Ostbetrieb. Höhe, Flugnummer und Flugzeugtyp stehen gleich daneben.
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Was bedeutet Betriebsrichtung 05 in Düsseldorf?
Betriebsrichtung 05 heißt, dass Flugzeuge nach Nordosten Richtung Ratingen starten und aus Südwesten über Neuss und Meerbusch anfliegen. Sie wird bei Ostwind genutzt und macht etwa 20 bis 30 Prozent aller Bewegungen aus.
Wie oft ist in Düsseldorf Ostbetrieb?
Rund 20 bis 30 Prozent des Jahres, abhängig vom Wetter. Ostbetrieb tritt meist bei stabilen Hochdrucklagen auf und dann oft mehrere Tage am Stück.
Warum ist es bei Ostbetrieb in Ratingen lauter?
Weil dann nicht angeflogen, sondern gestartet wird. Ein Start läuft mit hoher Triebwerksleistung im Steigflug und ist deutlich lauter als ein Anflug mit gedrosselten Triebwerken – auch wenn die Maschine höher fliegt.
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