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Die kleinen Flughäfen in NRW: Weeze, Dortmund, Paderborn und Mönchengladbach im Radar

2026-09-05 · TOWER LOG

Neben Düsseldorf und Köln/Bonn gibt es in Nordrhein-Westfalen vier weitere Flugplätze mit regelmäßigem Verkehr – und sie funktionieren völlig unterschiedlich. Dortmund ist mit 3,24 Millionen Passagieren im Jahr 2025 der größte, hat aber mit 2.000 Metern die kürzeste Bahn der drei Linienflughäfen. Weeze am Niederrhein liegt auf einem ehemaligen NATO-Fliegerhorst und ist praktisch ein Ryanair-Flughafen. Paderborn/Lippstadt zählte 2025 mehr Starts und Landungen als Dortmund, aber nur ein Fünftel der Passagiere. Und Mönchengladbach hat mit fast 50.000 Bewegungen die meiste Bewegung von allen – und seit 2007 keinen einzigen Linienflug mehr.

Die vier auf einen Blick

Die entscheidende Kennzahl steht ganz rechts: Passagiere je Flugbewegung. Sie sagt mehr über einen Flugplatz aus als die Passagierzahl allein, denn sie zeigt, ob dort große Jets oder kleine Maschinen den Ton angeben.

FlughafenCodesBahnPassagiere 2025Bewegungen 2025Pax je Bewegung
DortmundDTM / EDLW06/24, 2.000 m3.242.56936.080rund 90
WeezeNRN / EDLV09/27, 2.440 m2.245.73526.844rund 84
Paderborn/LippstadtPAD / EDLP06/24, 2.180 m711.43444.111rund 16
MönchengladbachMGL / EDLN13/31, 1.200 mkein Linienverkehrrund 47.000

Zum Vergleich: Düsseldorf kam 2025 auf rund 159.900 Bewegungen und gut 21 Millionen Passagiere, also etwa 130 Passagiere je Bewegung. Die Skala reicht in NRW damit von 130 bis fast null – auf einer Fläche, über die man mit dem Auto in zwei Stunden fährt.

Dortmund: der größte der kleinen – mit der kürzesten Bahn

Der Dortmund Airport liegt östlich der Stadt bei Holzwickede und feiert 2026 sein hundertjähriges Bestehen. Mit 3.242.569 Passagieren im Jahr 2025 – ein Plus von 3,5 Prozent und erneut ein Rekord – ist er der drittgrößte Flughafen in NRW. Der Rekordmonat August brachte allein knapp 337.600 Reisende.

Die Bahn 06/24 ist 2.000 Meter lang. Das ist die harte Grenze des Standorts: Für Kurzstreckenjets wie den A320 oder die Boeing 737 reicht das, für Langstrecke und Großraumflugzeuge nicht. Wer über Dortmund etwas Zweistöckiges sieht, sieht keinen Dortmunder Flug – wie man die Riesen von unten auseinanderhält, steht in Doppeldecker am Himmel?

Bemerkenswert ist der Airline-Umbruch der letzten zwei Jahre. Ryanair zog sich zum Sommer 2025 zurück, Eurowings reduzierte auf im Kern eine Strecke nach Palma de Mallorca. Aufgefangen hat das Wizz Air: Die ungarische Billigfluglinie steigerte ihr Passagieraufkommen in Dortmund um 23 Prozent und eröffnete allein zum Sommerflugplan 2026 Verbindungen nach London, Breslau und Târgu Mureș, dazu seit dem 17. März 2026 Bratislava. Der Sommerflugplan 2026 umfasst 38 Ziele in 18 Ländern.

Für Anwohner im östlichen Ruhrgebiet zählt vor allem die Betriebszeit. Landungen sind von 6 bis 23 Uhr erlaubt, Starts nur von 6 bis 22 Uhr. Verspätete Linienflüge dürfen mit vorheriger Zustimmung des Flughafens noch bis 22:30 Uhr starten beziehungsweise bis 23:30 Uhr landen. Das erklärt das typische Dortmunder Muster im Radar: Zwischen 22 und 23:30 Uhr sieht man dort fast nur noch Ankünfte. Wie eine vergleichbare, aber deutlich strengere Regelung in Düsseldorf aussieht, steht in Nachtflugverbot Düsseldorf.

Weeze: ein Ryanair-Flughafen auf einem NATO-Fliegerhorst

Weeze im Kreis Kleve ist der jüngste der vier – und der mit der längsten Bahn. Bis 1999 lag hier RAF Laarbruch, ein Stützpunkt der Royal Air Force; der zivile Betrieb begann im Mai 2003. Militärisches Erbe ist die Piste 09/27: 2.440 Meter lang, 45 Meter breit, dazu an beiden Enden je 275 Meter Stoppflächen. Der Platz liegt nur 32 Meter über dem Meeresspiegel und rund 89 Kilometer von Düsseldorf entfernt, nah an der niederländischen Grenze.

2025 war für Weeze ein Rekordjahr: 2.245.735 Passagiere, 14 Prozent mehr als 2024 und 75 Prozent mehr als 2019. Dahinter steht im Wesentlichen eine einzige Airline. Ryanair stationierte im Sommer 2025 sieben Boeing 737 in Weeze und wickelte in der Hochsaison bis zu 30 Flüge pro Tag ab. Daneben fliegen nur einzelne Ferienflieger, etwa Corendon nach Antalya.

Die Nachtregelung ist eine Eigenheit, die man kennen sollte, wenn man am Niederrhein wohnt: Zwischen 22 und 24 Uhr dürfen nur noch Fluggesellschaften starten und landen, die in Weeze eine Heimatbasis unterhalten. Praktisch heißt das: Was nach 22 Uhr über Goch oder Kevelaer tief fliegt, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Ryanair-737. Von 5 bis 6 Uhr gilt Nachtruhe.

Paderborn: mehr Starts als Dortmund, ein Fünftel der Passagiere

Paderborn/Lippstadt ist der Ausreißer in der Tabelle – und der interessanteste Fall. Die Passagierzahl fiel 2025 auf 711.434, weil Lufthansa die München-Verbindung und Ryanair die Girona-Strecke aufgab. Gleichzeitig stieg die Zahl der Flugbewegungen um 7.112 auf 44.111, ein Plus von 19,2 Prozent und der höchste Wert seit der Corona-Pandemie. Getragen wurde dieses Wachstum fast vollständig von der Allgemeinen Luftfahrt.

Das ist kein Widerspruch, sondern zwei Geschäftsmodelle auf einer Bahn. Ein Ferienflug nach Antalya bringt rund 190 Passagiere und zählt als zwei Bewegungen. Eine Schulungsrunde bringt null Passagiere und zählt ebenfalls als Bewegung – bei Platzrunden sogar mehrfach, wie in Touch-and-Go beschrieben. In Paderborn kommen auf eine Bewegung im Schnitt 16 Passagiere. In Dortmund sind es 90.

Technisch ist Paderborn dabei der bestausgestattete der drei Regionalflughäfen: Die Bahn 06/24 ist 2.180 Meter lang und in beide Richtungen mit einem ILS der Allwetterflugbetriebsstufe CAT I anfliegbar. Mit 213 Metern über dem Meeresspiegel liegt der Platz außerdem deutlich höher als alle anderen in NRW – bei Nebellagen im Winter ein spürbarer Unterschied. Wie ein ILS funktioniert und warum jeder Anflug darauf gleich aussieht, steht in Wie funktioniert ein ILS?

Mönchengladbach: fast 50.000 Bewegungen, kein einziger Linienflug

Mönchengladbach ist formal kein Flughafen, sondern ein Verkehrslandeplatz. Die Bahn 13/31 hat 1.200 Meter nutzbare Länge – zu wenig für Jets, aber genug für Turboprops wie ATR 72 oder Dash 8. Trotzdem ist der Platz in beide Richtungen für Anflüge nach CAT I zugelassen, was für einen Landeplatz dieser Größe ungewöhnlich ist.

Die Zahlen wirken paradox: 2021 zählte Mönchengladbach 47.190 Flugbewegungen – mehr als Dortmund und Weeze zusammen – bei 38.861 Passagieren. Das Bild prägen Geschäftsflieger, Werkstattflüge, Werksflugverkehr und vor allem Flugschulen. Der Platz ist damit einer der größten Standorte der Allgemeinen Luftfahrt in Deutschland.

Dass es einmal anders gedacht war, sieht man an der Eigentümerstruktur: Die Flughafen Düsseldorf GmbH hält 20 Prozent an der Betreibergesellschaft. Mönchengladbach war als Entlastungsplatz für Düsseldorf gedacht und hatte seinen Höhepunkt 1998 mit 224.000 Passagieren, nachdem der Brand im Düsseldorfer Terminal 1996 kurzfristig Ausweichkapazität nötig gemacht hatte. Ab Mitte der 2000er verschwand der Linienverkehr; die letzte Linienverbindung führte 2007 nach St. Gallen-Altenrhein. Der geplante Ausbau kam nie.

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Wessen Überflieger sieht man wo?

Für die Frage „zu welchem Flughafen gehört das Flugzeug über mir?" sind die vier kleinen Plätze regional klar getrennt – anders als Düsseldorf und Köln, deren Verkehrsströme sich über dem Rheinland überlagern (siehe Düsseldorf oder Köln?).

Über dem Rheinland zwischen Düsseldorf und Köln taucht von diesen vier praktisch nichts auf. Wer dort in mittlerer Höhe etwas sieht, sieht DUS- oder CGN-Verkehr oder Überflieger – Details in Flugzeuge über Düsseldorf und Flugzeuge über Köln.

Selbst nachschauen: vier Erkennungszeichen im Radar

  1. Das Rufzeichen verrät den Platz. WZZ über dem östlichen Ruhrgebiet ist fast sicher Dortmund, RYR tief über dem Kreis Kleve fast sicher Weeze. Warum im Radar WZZ statt W6 steht, erklärt Flugnummer vs. Rufzeichen.
  2. Keine Großraumflugzeuge. Bei Bahnlängen von 1.200 bis 2.440 Metern ist bei der A320- und 737-Familie Schluss. Eine 777 oder ein A350 im Steigflug über Unna gehört garantiert nicht nach Dortmund, sondern ist Überflugverkehr in großer Höhe.
  3. Die Uhrzeit grenzt ein. Nach 22 Uhr sind über Dortmund nur noch Landungen möglich, über Weeze nur noch Maschinen der dort stationierten Airline. Ein Start um 22:45 Uhr über Holzwickede kann also kein Dortmunder Flug sein.
  4. Was fehlt, ist die eigentliche Geschichte. Ausgerechnet die beiden Plätze mit den meisten Bewegungen – Mönchengladbach und Paderborn – sind im Radar am schwächsten vertreten. ADS-B ist in Europa erst ab 5.700 Kilogramm Startmasse oder 250 Knoten Reisegeschwindigkeit vorgeschrieben; die typische Schul- und Geschäftsmaschine fällt darunter. Warum das so ist, steht in Was ist ADS-B? und Warum verschwindet ein Flugzeug plötzlich vom Radar?

Häufige Fragen

Welche Flughäfen gibt es in NRW außer Düsseldorf und Köln?

Neben Düsseldorf und Köln/Bonn gibt es in Nordrhein-Westfalen vier weitere Plätze mit regelmäßigem Verkehr: Dortmund (DTM), Weeze am Niederrhein (NRN), Paderborn/Lippstadt (PAD) und Mönchengladbach (MGL). Dortmund war 2025 mit 3.242.569 Passagieren der größte davon, gefolgt von Weeze mit 2.245.735 und Paderborn/Lippstadt mit 711.434 Passagieren. Mönchengladbach ist formal ein Verkehrslandeplatz und hat seit 2007 keinen Linienverkehr mehr; dort dominieren Geschäftsflieger, Wartungsbetriebe und Flugschulen. Hinzu kommt Münster/Osnabrück, das jedoch nicht mehr im Rheinland oder Ruhrgebiet liegt.

Warum fliegen von Dortmund keine Langstreckenflüge?

Die Start- und Landebahn 06/24 in Dortmund ist 2.000 Meter lang. Das reicht für Kurz- und Mittelstreckenjets wie den Airbus A320 oder die Boeing 737, nicht aber für voll betankte Großraumflugzeuge auf Langstrecke. Hinzu kommt die Betriebszeit: Landungen sind nur von 6 bis 23 Uhr erlaubt, Starts von 6 bis 22 Uhr, mit einer Verspätungsregelung bis 23:30 beziehungsweise 22:30 Uhr nach vorheriger Zustimmung des Flughafens. Langstreckenverkehr mit typischen Ankunftszeiten am frühen Morgen wäre damit ohnehin kaum darstellbar.

Warum hat Paderborn mehr Flugbewegungen als Dortmund, aber weniger Passagiere?

Weil eine Flugbewegung nichts über die Größe des Flugzeugs aussagt. Paderborn/Lippstadt zählte 2025 insgesamt 44.111 Starts und Landungen, ein Plus von 19,2 Prozent, das nach Angaben des Flughafens fast vollständig auf die Allgemeine Luftfahrt zurückgeht – Schulungsflüge, Geschäftsreiseverkehr und Privatmaschinen. Dortmund kam im selben Jahr auf 36.080 Bewegungen, aber überwiegend mit Linien- und Ferienflugzeugen der A320- und 737-Familie. Rechnerisch entfallen in Dortmund rund 90 Passagiere auf eine Bewegung, in Paderborn rund 16.

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