Was ist ADS-B? Warum jeder Flugzeuge live verfolgen kann
ADS-B heißt: Jedes ausgerüstete Flugzeug bestimmt per Satellitennavigation laufend seine eigene Position und funkt sie unverschlüsselt auf 1090 MHz in die Umgebung – rund zweimal pro Sekunde, zusammen mit Kennung, Höhe, Kurs und Geschwindigkeit. Weil dieses Signal offen ist, kann es jeder mit einer passenden Antenne empfangen. Genau darauf beruhen alle kostenlosen Live-Radare im Netz.
Was hinter der Abkürzung steckt
ADS-B steht für Automatic Dependent Surveillance – Broadcast. Jedes Wort beschreibt einen Teil des Prinzips:
- Automatic: Das Flugzeug sendet von selbst, ohne dass jemand am Boden anfragt.
- Dependent: Die Meldung hängt von der Bordausrüstung ab – das Flugzeug bestimmt seine Position selbst per GNSS (umgangssprachlich GPS) und meldet sie. Der Boden misst sie nicht.
- Surveillance: Es geht um Luftraumüberwachung, also die Frage, wer wo ist.
- Broadcast: Die Meldung geht an alle, nicht an einen bestimmten Empfänger.
Das ist der entscheidende Unterschied zum klassischen Radar. Ein Primärradar schickt einen Impuls los und wertet das Echo aus – dafür braucht es eine große, teure Anlage. ADS-B dreht die Richtung um: Das Flugzeug erzählt selbst, wo es ist, und jeder in Funkreichweite hört mit.
Was genau gesendet wird
Der Träger ist der Mode-S-Transponder an Bord, der ohnehin für die Flugsicherung verbaut ist. Er sendet auf 1090 MHz sogenannte Extended Squitter – kurze Datenpakete, die regelmäßig abgesetzt werden. Position und Geschwindigkeit gehen dabei jeweils etwa zweimal pro Sekunde raus, in leicht zufällig gestreuten Abständen, damit sich die Signale vieler Flugzeuge nicht dauerhaft gegenseitig überlagern.
In den Paketen stecken unter anderem:
- die 24-Bit-Adresse des Flugzeugs (die ICAO-Hex-Kennung, quasi das Nummernschild)
- das Rufzeichen, meist die Flugnummer wie DLH400 oder EWG7412
- Länge und Breite aus der Satellitennavigation
- die barometrische Höhe
- Geschwindigkeit über Grund, Kurs und Steig- oder Sinkrate
Was nicht mitgesendet wird: Start- und Zielflughafen. Die Route, die dir ein Radar anzeigt, stammt aus einer separaten Datenbank, die das Rufzeichen einem Flugplan zuordnet. Deshalb steht bei manchen Kontakten eine Flugnummer, aber kein Ziel – mehr dazu in Welches Flugzeug fliegt gerade über mir?.
Warum praktisch alle Verkehrsflugzeuge mitmachen
ADS-B ist in Europa nicht freiwillig. Nach den EU-Vorgaben zur Luftraumüberwachung müssen Flugzeuge im Instrumentenflug mit mehr als 5.700 kg maximaler Startmasse oder mehr als 250 Knoten Reisegeschwindigkeit ADS-B Out an Bord haben. Für Neuflugzeuge galt das ab Dezember 2020, ältere Maschinen bekamen für die Nachrüstung Zeit bis Juni 2023. Praktisch heißt das: Was heute kommerziell über Deutschland fliegt, sendet.
Deshalb ist der Himmel über dicht beflogenen Regionen wie dem Rheinland auf dem Radar so vollständig abgebildet – ob über Düsseldorf oder Köln.
Wie das Signal bei dir ankommt
1090 MHz ist eine Frequenz, die sich praktisch nur auf Sichtlinie ausbreitet. Sie folgt der Erdkrümmung nicht, sondern läuft geradeaus. Daraus folgen zwei Dinge:
- Hoch fliegende Maschinen sind weit zu empfangen. Aus Reiseflughöhe reicht ein guter Bodenempfänger je nach Standort mehrere hundert Kilometer weit.
- Tief fliegende Maschinen verschwinden schnell. Ein Flugzeug im Endanflug ist hinter dem nächsten Hügelzug oder Häuserblock für einen entfernten Empfänger nicht mehr zu hören.
Weil kein einzelner Empfänger alles sieht, arbeiten offene Netzwerke mit vielen tausend privaten Stationen, die ihre Empfangsdaten zusammenlegen. Das Live-Radar auf dieser Seite nutzt genau so ein offenes Netz und fragt die Lage rund um deinen Standort etwa alle fünf Sekunden neu ab.
Warum trotzdem nicht alles auftaucht
Ein paar systematische Lücken bleiben:
- Kleine Flugzeuge und ältere Hubschrauber fallen oft nicht unter die Ausrüstungspflicht. Sie haben teils nur einen einfachen Transponder ohne Positionsmeldung.
- Militär sendet regelmäßig ohne Positionsdaten oder wird von Datenanbietern herausgefiltert. Ein lautes, tief fliegendes Muster ohne Radarspur ist fast immer militärisch.
- Funklöcher am Boden: Wo gerade kein Empfänger in Sichtlinie steht, entsteht eine Lücke in der Spur – besonders in geringer Höhe.
Für Maschinen, die zwar einen Mode-S-Transponder haben, aber keine Position senden, nutzen größere Netzwerke Multilateration: Mehrere Empfänger vergleichen, wann exakt dasselbe Signal bei ihnen eintraf, und rechnen daraus die Position zurück. Das funktioniert, ist aber ungenauer und langsamer als echtes ADS-B – warum das für die angezeigte Position eine Rolle spielt, steht in Wie genau ist Flightradar?.
Ist das Mithören erlaubt?
Das Signal ist unverschlüsselt und wird bewusst an alle gesendet – es ist Teil eines offenen Standards, damit auch andere Flugzeuge den Verkehr um sich herum sehen können. Genau deshalb gibt es eine große Community, die ADS-B mit selbst gebauten Antennen empfängt und die Daten frei weitergibt. Du brauchst dafür aber nichts zu installieren: Das Radar zeigt dir den Verkehr über deinem Standort direkt im Browser.
✈ LIVE ANSEHEN, WAS ÜBER DIR SENDETHäufige Fragen
Wofür steht ADS-B?
Für Automatic Dependent Surveillance – Broadcast. Das Flugzeug ermittelt seine Position selbst per Satellitennavigation und sendet sie automatisch und unverschlüsselt an alle Empfänger in Reichweite, statt von einem Bodenradar angepeilt zu werden.
Auf welcher Frequenz sendet ADS-B?
In Europa auf 1090 MHz über den Mode-S-Transponder des Flugzeugs. Position und Geschwindigkeit werden dabei jeweils etwa zweimal pro Sekunde ausgesendet.
Warum sieht man manche Flugzeuge nicht im Radar?
Weil sie keine Position senden oder kein Empfänger sie hört. Militärmaschinen unterdrücken ihre Positionsdaten häufig, kleine Flugzeuge unterliegen oft nicht der Ausrüstungspflicht, und tief fliegende Maschinen sind ohne Sichtlinie zu einer Empfangsstation nicht zu erfassen.
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