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Warum Flugzeuge bei Ostwind lauter wirken: Wetter, Wind und Schall

2026-08-08 · TOWER LOG

Der wichtigste Grund ist gar nicht die Akustik, sondern der Betrieb: Bei Ostwind dreht der Flughafen die Betriebsrichtung, und wer eben noch leise Anflüge über sich hatte, hört plötzlich startende Maschinen unter Vollschub. Dazu kommt echte Physik – Wind biegt Schall mit der Windrichtung nach unten und gegen den Wind nach oben, und die stabilen Hochdrucklagen, die Ostwind nach NRW bringen, tragen Geräusche zusätzlich weiter. Drei Effekte, die sich an manchen Tagen addieren.

Grund 1: Der Flughafen dreht sich um

Flugzeuge starten und landen möglichst gegen den Wind. Weht er aus Osten, wird also nach Osten gestartet und aus Westen angeflogen – die gesamte Verkehrsführung kippt um 180 Grad. In Düsseldorf heißt das Betriebsrichtung 05 statt der üblichen 23; das ist an rund 20 bis 30 Prozent der Tage der Fall.

Für dich am Boden ist das der mit Abstand größte Sprung, und zwar aus zwei Gründen. Erstens verschiebt sich der Verkehr auf die andere Seite des Flughafens: Ratingen bekommt Starts statt Anflügen, Meerbusch und Neuss Anflüge statt Ruhe. Zweitens – und das unterschätzen viele – ist ein Start etwas völlig anderes als eine Landung. Im Anflug sind die Triebwerke weit heruntergefahren, die Maschine gleitet praktisch herunter. Beim Start läuft der Schub über Minuten am Anschlag, und das Flugzeug ist über deinem Dach noch tief.

SituationCharakter des Geräuschs
Anflugkurz, weich, breitbandig – Fahrtwind und Fahrwerk dominieren, Triebwerke im Leerlaufbereich
Startlang anhaltend, tief brummend, mit Vollschub – deutlich höherer Spitzenpegel

Wenn dir Ostwindtage lauter vorkommen, liegt das in den meisten Fällen genau hier. Die Details zur Umkehr stehen in Betriebsrichtung 05 vs. 23 in Düsseldorf, und warum Westbetrieb der Normalfall ist, erklärt Warum starten Flugzeuge in Düsseldorf fast immer Richtung Westen?

Grund 2: Wind biegt Schall

Jetzt zur Physik. Wind trägt Schall nicht einfach mit sich, wie man intuitiv annimmt – dafür ist er viel zu langsam gegenüber der Schallgeschwindigkeit. Der eigentliche Effekt ist ein anderer: Die Windgeschwindigkeit nimmt mit der Höhe zu. In Bodennähe bremsen Häuser, Bäume und Reibung den Wind, weiter oben weht er ungestört. Damit bewegen sich Schallwellen oben schneller vorwärts als unten – und die Wellenfront kippt.

10 Dezibel weniger empfinden die meisten Menschen als etwa halb so laut. Der Unterschied zwischen „auf der windabgewandten Seite" und „auf der windzugewandten Seite" einer Flugroute ist damit ein echter, messbarer Unterschied – nicht Einbildung.

Wichtig ist dabei die Richtung: Ostwind macht nicht überall alles lauter. Er verschiebt die Belastung nach Westen, weil der Schall in Windrichtung getragen wird. Wer westlich einer Route wohnt, hört bei Ostwind mehr; wer östlich davon wohnt, kann sogar weniger hören als sonst – obwohl über ihm dieselben Flugzeuge fliegen. Das erklärt, warum zwei Nachbarorte am selben Tag völlig verschiedene Erfahrungen machen.

Grund 3: Inversion – der Deckel über der Stadt

Normalerweise wird die Luft mit der Höhe kälter. Schall wird immer in die kältere, langsamere Schicht hinein gebrochen – bei diesem Normalfall also nach oben, weg vom Boden. Tagsüber bildet sich dadurch eine natürliche Schattenzone, und entfernte Geräusche verlieren sich.

Bei einer Inversion kehrt sich das um: Über einer ausgekühlten Bodenschicht liegt wärmere Luft. Jetzt werden die Schallwellen nach unten gebrochen, teils mehrfach zwischen Luftschicht und Boden reflektiert – Geräusche sind auf einmal über große Distanzen zu hören. Genau das erlebt man in klaren, windstillen Nächten, wenn die Autobahn plötzlich klingt, als läge sie zwei Straßen weiter.

Und hier schließt sich der Kreis zum Ostwind: Östliche Strömungen erreichen Nordrhein-Westfalen typischerweise aus Hochdruckgebieten über Skandinavien oder Osteuropa. Diese Lagen bringen stabil geschichtete, trockene Luft, wenig Turbulenz – und damit die besten Bedingungen für eine Inversion. Ostwind und „Schall trägt weit" treten deshalb oft im selben Wetterpaket auf.

Grund 4: Es ist einfach leiser drumherum

Der vierte Effekt ist kein akustischer Trick, sondern eine Frage des Kontrasts. Bei einer ruhigen Hochdrucklage fehlt das Rauschen, das sonst alles maskiert: keine böigen Windgeräusche, kein Rascheln in den Bäumen, oft weniger Bodenverkehr. Derselbe Überflug hebt sich dann viel stärker vom Grundpegel ab – gemessen gleich laut, gefühlt deutlich lauter. Im Winter kommt hinzu, dass laubfreie Bäume und Hecken kaum noch dämpfen.

Wie groß ist der Wettereffekt insgesamt?

Für eine bodennahe, konstante Schallquelle in 500 bis 1.000 Metern Entfernung kann die wetterbedingte Schwankung des Schallpegels 20 bis 30 Dezibel betragen. Das ist eine enorme Spanne – sie gilt allerdings für die Ausbreitung entlang des Bodens über größere Distanzen, also etwa für den Startlauf auf der Bahn, für Triebwerksprobeläufe oder für eine Route mehrere Kilometer entfernt.

Beim Flugzeug direkt über deinem Kopf ist der Effekt deutlich kleiner: Auf dem kurzen, steilen Weg nach unten hat die Atmosphäre wenig Gelegenheit, den Schall zu verbiegen. Faustregel: Je weiter die Quelle entfernt ist und je flacher der Schall über den Boden laufen muss, desto stärker mischt das Wetter mit.

WetterlageWirkung auf die wahrgenommene Lautstärke
Du liegst in Windrichtung hinter der Routelauter – Schall wird zum Boden gebrochen
Du liegst gegen den Wind vor der Routeleiser – Schattenzone, 10 dB(A) und mehr Minderung
Klare Nacht mit Inversionlauter, vor allem für entfernte Quellen
Sonniger, böiger Tag ohne Inversionleiser – Schall wird nach oben weggebrochen
Betriebsrichtungswechselder größte Sprung von allen – Start statt Anflug

Zwei verbreitete Irrtümer

„Bei Gegenwind muss das Flugzeug mehr Schub geben, deshalb ist es lauter." Das stimmt so nicht. Ein Flugzeug fliegt relativ zur Luft; Gegenwind kostet Geschwindigkeit über Grund, nicht Schub. Beim Start hilft Gegenwind sogar – die Maschine hebt früher ab und ist über dem Ortsrand schon höher.

„Bei Ostwind fliegen mehr Maschinen." Auch das nicht. Die Zahl der Bewegungen hängt am Flugplan, nicht am Wind. Was sich ändert, ist ausschließlich, wo sie stattfinden und welche Phase du abbekommst. Warum an bestimmten Tagen tatsächlich mehr los ist, steht in Warum fliegen heute so viele Flugzeuge über mein Haus?

Selbst nachprüfen statt schätzen

Ob dein Ostwind-Gefühl stimmt, lässt sich in einer Minute klären: Schau nach, aus welcher Richtung die Maschinen kommen und ob sie steigen oder sinken. Steigende Flugzeuge mit schnell zunehmender Höhe sind Starts, sinkende mit konstanter Rate Anflüge. Das Live-Radar von aplanebox.com zeigt dir Höhe, Kurs und Typ jedes Überfliegers – damit siehst du sofort, welche Betriebsrichtung gerade läuft. Und wenn dich die Belastung dauerhaft trifft, lohnt der Blick auf Anspruch auf Schallschutz bei Fluglärm?

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Häufige Fragen

Sind Flugzeuge bei Ostwind wirklich lauter?

An der Quelle nicht – der Wind ändert nichts am Triebwerksgeräusch. Lauter wird es aus drei anderen Gründen: Der Flughafen dreht bei Ostwind die Betriebsrichtung, sodass viele Anwohner statt leiser Anflüge plötzlich Starts unter Vollschub hören. Der Wind bricht den Schall in Windrichtung zum Boden hin. Und stabile Hochdrucklagen mit Inversion lassen Geräusche weiter tragen.

Warum hört man Fluglärm nachts weiter als tagsüber?

Wegen der Temperaturschichtung. Tagsüber nimmt die Temperatur mit der Höhe ab, Schall wird nach oben weggebrochen und verliert sich. In klaren Nächten kühlt der Boden aus, über der kalten Bodenschicht liegt wärmere Luft – diese Inversion bricht den Schall zurück zum Boden und lässt ihn mehrfach reflektieren. Dazu fehlt nachts das maskierende Hintergrundgeräusch.

Warum ist es bei meinem Nachbarort am selben Tag leiser?

Weil die Windrichtung entscheidet, auf welcher Seite der Flugroute der Schall ankommt. In Windrichtung hinter der Route wird er zum Boden gebrochen und ist gut hörbar, gegen den Wind entsteht eine Schattenzone mit 10 dB(A) und mehr Pegelminderung. Zwei Orte im gleichen Abstand zur Route können deshalb völlig unterschiedliche Belastungen erleben.

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Die akustischen Angaben beschreiben allgemeine Ausbreitungsphysik (Refraktion im Wind- und Temperaturprofil); die genannten Pegelwerte sind Größenordnungen, keine Messwerte für einen bestimmten Ort. Der Anteil der Betriebsrichtung 05 in Düsseldorf schwankt von Jahr zu Jahr mit der Wetterlage.