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Gewitter: Warum Flugzeuge heute Umwege fliegen

2026-07-20 · TOWER LOG

Bei Gewitterlagen umfliegen Piloten die aktiven Zellen weiträumig – nicht wegen der Blitze, sondern wegen der heftigen Auf- und Abwinde, des Hagels und der Vereisung darin. Deshalb sieht der Himmel an Gewittertagen völlig anders aus als sonst: Maschinen scheren aus den gewohnten Luftstraßen aus, drehen Warteschleifen oder kommen aus einer ungewohnten Richtung über dein Haus.

Nicht der Blitz ist das Problem

Verkehrsflugzeuge sind gegen Blitzeinschläge konstruktiv geschützt – die Aluminium- bzw. Kohlefaserhülle wirkt als faradayscher Käfig und leitet den Strom außen ab. Gefährlich ist das Innenleben einer Gewitterwolke: In einer ausgewachsenen Gewitterzelle stehen starke Aufwinde direkt neben ebenso starken Abwinden, dazu kommen Hagel, Starkregen und Vereisungsgefahr. Genau diese Zone will man gar nicht erst betreten – deshalb wird sie umflogen statt durchflogen.

Wie Piloten die Zellen sehen

An Bord läuft das Wetterradar in der Flugzeugnase mit. Es zeigt keine Wolken, sondern die Niederschlagsintensität – kräftiger Regen und Hagel leuchten rot und markieren den Kern der Zelle. Ergänzt wird das durch Satellitenbilder, Wettermeldungen und Hinweise der Flugsicherung. Als Faustregel gilt in der Fliegerei ein großzügiger Bogen um die Zelle, bevorzugt auf der Seite, von der der Wind kommt – denn auf der Gegenseite treibt der Amboss der Gewitterwolke mit Hagel weiter hinaus, als man von unten vermuten würde.

Sommergewitter in Mitteleuropa sind dabei keine Kleinigkeit: Ihre Wolkentürme reichen regelmäßig bis in Reiseflughöhe und darüber hinaus. „Oben drüber" ist für ein Verkehrsflugzeug also meist keine Option – bleibt der seitliche Bogen.

Was du davon am Himmel merkst

Warum sich Verspätungen aufschaukeln

Ein Gewitter blockiert nicht nur den Flughafen, sondern ganze Luftraumsektoren. Die Flugsicherung begrenzt dann, wie viele Flugzeuge pro Zeiteinheit hindurchdürfen – Starts anderswo werden zurückgehalten, damit sich die Lage in der Luft nicht staut. Dazu kommt: Am Boden wird die Abfertigung gestoppt, wenn Blitze in Flughafennähe einschlagen, weil das Personal auf dem Vorfeld nicht im Freien arbeiten kann. Beides zusammen erklärt, warum ein 40-minütiges Gewitter am Nachmittag den Flugplan bis in die Nacht durcheinanderbringt – und warum der Verkehr über NRW danach oft bis spät abends dichter ist als üblich.

Umwege live mitverfolgen

Am besten sieht man den Effekt im Radar: An einem ruhigen Tag laufen die Spuren wie an der Schnur gezogen, an einem Gewittertag wirken sie wie um unsichtbare Hindernisse herumgebogen. Öffne dazu das Live-Radar und schau dir die Flugwege über deinem Ort an – wer gerade oben ist, verrät dir der Beitrag Welches Flugzeug fliegt gerade über mir?. Dass es an manchen Tagen ohnehin voller ist, liegt zusätzlich an der Sommerferien-Reisewelle.

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Häufige Fragen

Fliegen Flugzeuge bei Gewitter?

Ja – sie fliegen bei Gewitterlagen ganz normal, aber sie umfliegen die aktiven Gewitterzellen weiträumig. Gefährlich ist nicht der Blitz, sondern die starke Turbulenz, der Hagel und die Vereisung im Inneren der Zelle.

Warum kreist mein Flugzeug bei Gewitter über dem Flughafen?

Zieht eine Gewitterzelle über den Flughafen, werden Landungen vorübergehend ausgesetzt. Die Maschinen warten dann in Warteschleifen, bis die Zelle weitergezogen ist – oder weichen auf einen anderen Flughafen aus, wenn der Treibstoff für längeres Warten nicht reicht.

Warum ist es nach einem Gewitter besonders laut am Himmel?

Weil sich der Verkehr staut: Während der Unterbrechung angesammelte An- und Abflüge werden anschließend gebündelt abgearbeitet. Deshalb folgt auf die ungewöhnliche Ruhe oft eine ungewöhnlich dichte Welle – manchmal bis in die späten Abendstunden.

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