Luftnotlage: Warum die Feuerwehr bei einer Landung an der Bahn steht
Die Flughafenfeuerwehr fährt schon vor einer Landung an die Bahn, sobald eine Crew ein technisches Problem meldet, selbst wenn eine sichere Landung zu erwarten ist. Normalerweise hat sie nach den Regeln höchstens drei Minuten Zeit, um jeden Punkt der Bahn zu erreichen. Wer vorher dort steht, spart diese Zeit ganz. Blaulicht an der Landebahn bedeutet deshalb fast immer Vorsorge und keine Katastrophe.
Die drei Alarmstufen
Die internationale Luftfahrtorganisation ICAO unterscheidet im Handbuch für Flughafen-Notfallplanung (Doc 9137, Teil 7) drei Stufen. Die Notfallpläne deutscher Flughäfen folgen diesem Schema, verwenden aber teils eigene Namen wie „Alarmstufe 1 bis 3“.
| Stufe (ICAO) | Bedeutung | Was am Boden passiert |
|---|---|---|
| Local Standby | Ein anfliegendes Flugzeug hat einen bekannten oder vermuteten Defekt, der eine sichere Landung aber normalerweise nicht verhindert. | Die Flughafenfeuerwehr ist in Bereitschaft oder fährt an die Bahn. Externe Kräfte werden informiert, bleiben aber auf ihren Wachen. |
| Full Emergency | Das Flugzeug ist in Schwierigkeiten oder steht im Verdacht, dass ein Unfall droht. | Die Flughafenfeuerwehr steht an der Bahn. Die Feuerwehr der Stadt, der Rettungsdienst und die Polizei fahren zu festgelegten Sammelpunkten. |
| Aircraft Accident | Auf dem Flughafen oder in seiner Nähe ist ein Unfall passiert. | Der komplette Notfallplan läuft an, mit allen Rettungskräften der Umgebung. |
Welche Stufe ausgelöst wird, hängt von der Meldung der Crew ab. Wer „PAN PAN“ funkt, meldet eine dringende Lage ohne unmittelbare Gefahr. „MAYDAY“ bedeutet eine Notlage mit unmittelbarer Gefahr. Zusätzlich kann die Crew den Transpondercode 7700 schalten, der im Live-Radar sichtbar wird. Was die Notfallcodes genau bedeuten, steht in Squawk 7500, 7600 und 7700.
Typische Gründe für eine Bereitstellung
Die meisten Einsätze an der Bahn enden damit, dass die Fahrzeuge dem gelandeten Flugzeug ein Stück folgen und wieder abrücken. Häufige Anlässe sind:
- Warnanzeige im Cockpit: etwa ein Hydraulikproblem oder ein Fahrwerk, dessen Anzeige nicht „ausgefahren und verriegelt“ meldet. Oft ist am Ende nur ein Sensor defekt.
- Triebwerk abgestellt: Ein Zweistrahler kann mit einem Triebwerk sicher landen. Trotzdem ist die Reserve weg, deshalb steht die Feuerwehr bereit.
- Vogelschlag: nach einem Treffer im Triebwerk oder an der Nase kehrt das Flugzeug oft um. Mehr dazu in Vogelschlag am Flughafen.
- Rauch- oder Brandgeruch in der Kabine: Die Crew landet so schnell wie möglich, die Ursache klärt sich erst am Boden.
- Heiße Bremsen: nach einem Startabbruch bei hoher Geschwindigkeit oder einer Landung mit hohem Gewicht. Die Feuerwehr misst dann mit Wärmebildkameras die Temperatur der Räder.
- Landung mit Übergewicht: kehrt ein voll betanktes Flugzeug kurz nach dem Start um, landet es schwerer als vorgesehen. Wann stattdessen Kerosin abgelassen wird, erklärt Kerosin ablassen.
Ein medizinischer Notfall an Bord ist dagegen in der Regel ein Fall für den Rettungsdienst am Gate und nicht für die Löschfahrzeuge an der Bahn.
Die Drei-Minuten-Regel
Die entscheidende Zahl der Flughafenfeuerwehr sind drei Minuten. In Europa legt die EASA-Regel für Flughäfen fest: Vom ersten Alarm bis zu jedem Punkt jeder in Betrieb befindlichen Start- und Landebahn darf die Feuerwehr höchstens drei Minuten brauchen. Ziel sind zwei Minuten, gemessen bei guter Sicht und trockener Bahn. Beim Eintreffen muss sie mindestens die Hälfte der vorgeschriebenen Löschmittelmenge pro Minute abgeben können.
| Eigene Rechnung: Anfahrt zum Bahnende | Wert |
|---|---|
| Längste Bahn in Düsseldorf (05R/23L) | 3.000 m |
| Nötiger Schnitt für 3.000 m in 3 Minuten | 60 km/h |
| Nötiger Schnitt für 3.000 m in 2 Minuten | 90 km/h |
| Nicht eingerechnet | Alarmierung, Einsteigen, Ausfahren aus der Halle, Beschleunigen |
Vereinfachte Rechnung für ein Fahrzeug, das an einem Bahnende losfährt und zum anderen muss. Weil die Uhr schon beim Alarm startet, bleibt für die eigentliche Fahrt weniger Zeit als die Tabelle zeigt.
Diese Rechnung erklärt zwei Dinge, die man am Flughafen sieht. Erstens liegen die Feuerwachen direkt am Flugfeld und oft sind es mehrere. Die Flughafenfeuerwehr Düsseldorf hat eine Hauptwache (Wache Süd) und eine zweite, sogenannte ICAO-Wache (Wache Nord). Zweitens fährt die Feuerwehr bei einer angekündigten Notlage lieber vorher an die Bahn. Dann schrumpft die Anfahrt von bis zu drei Minuten auf wenige Sekunden. Die Fahrzeuge warten dabei nicht auf der Bahn, sondern an den Einmündungen der Rollwege, ungefähr dort, wo das Flugzeug zum Stehen kommen wird.
Kategorie 1 bis 10: Wie viel Feuerwehr ein Flughafen braucht
Nicht jeder Flughafen braucht gleich viel Löschmittel. Maßgeblich sind die Länge und die Rumpfbreite des größten Flugzeugs, das den Platz regelmäßig nutzt. Daraus ergibt sich eine von zehn Kategorien.
| Kategorie | Flugzeuglänge | Max. Rumpfbreite | Beispiel |
|---|---|---|---|
| 6 | 28 bis unter 39 m | 5 m | Airbus A320 |
| 7 | 39 bis unter 49 m | 5 m | Airbus A321, Boeing 737-900ER |
| 8 | 49 bis unter 61 m | 7 m | Boeing 787-8 |
| 9 | 61 bis unter 76 m | 7 m | Airbus A350-900, Boeing 777-300ER |
| 10 | 76 bis unter 90 m | 8 m | Boeing 747-8, Airbus A380 |
Beim A380 zeigt sich eine Feinheit. Mit 72,7 Metern Länge fiele er eigentlich in Kategorie 9. Sein Rumpf ist aber 7,1 Meter breit und damit breiter als die 7 Meter, die Kategorie 9 erlaubt. Deshalb rutscht er eine Kategorie höher, in die 10. Das steht so als Rechenbeispiel in den Leitlinien der EASA.
Eine zweite Regel betrifft Flughäfen mit wenigen Großraumflugzeugen: Hat die höchste Kategorie in den drei verkehrsreichsten Monaten weniger als 700 Starts und Landungen, darf der Schutz um eine Kategorie niedriger ausfallen. Zum Vergleich: Ein täglicher A380-Umlauf wie der von Emirates nach Düsseldorf bringt in drei Monaten nur rund 184 Bewegungen. Welche Kategorie ein Flughafen tatsächlich anbietet, veröffentlicht er im Luftfahrthandbuch (AIP). Im Notfall gilt ohnehin: Ein Flugzeug darf auch dort landen, wo die Feuerwehr eigentlich zu klein für es ist, wenn Warten oder Ausweichen gefährlicher wäre. Mehr zum Riesen über dem Rhein auf A380 in Düsseldorf.
Wofür das Wasser reicht: Die Feuerwehr kauft Zeit
Die Löschmittelmengen folgen einem festen Konzept. Die Feuerwehr soll nicht das ganze Flugzeug löschen, sondern die Fläche rund um den Rumpf. Diese „kritische Fläche“ ist ein Rechteck: Flugzeuglänge mal (30 Meter plus Rumpfbreite). Aus Unfallanalysen weiß man, dass in der Praxis etwa zwei Drittel davon brennen.
| Eigene Rechnung nach der EASA-Formel | Airbus A320 | Airbus A380 |
|---|---|---|
| Länge × (30 m + Rumpfbreite) | 37,6 × 34,0 = 1.278 m² | 72,7 × 37,1 = 2.697 m² |
| Praktische kritische Fläche (× 0,667) | ca. 850 m² | ca. 1.800 m² |
| Anteil an einem Fußballfeld (105 × 68 m) | ca. ein Achtel | ca. ein Viertel |
| Kategorie | 6 | 10 |
| Wasser für Schaum (Leistungsstufe B) | 7.900 l | 32.300 l |
| Abgaberate Schaumlösung | 4.000 l/min | 11.200 l/min |
| Zeit, bis das Wasser verbraucht ist | ca. 2 Minuten | ca. 2 Minuten 50 Sekunden |
Mengen nach ICAO Annex 14 und EASA-Leitlinien für Schaum der Leistungsstufe B. Die Rechnung zeigt Mindestwerte. Die Fahrzeuge großer Flughäfen tragen meist mehr, und Nachschub kommt über Hydranten und Tankfahrzeuge.
Die Fläche verdoppelt sich vom A320 zum A380, die Wassermenge vervierfacht sich aber. Der Grund: Die Regeln unterscheiden zwischen dem Wasser für den ersten Löschangriff und dem Wasser, das danach nötig ist, um das Feuer unter Kontrolle zu halten. Bei Kategorie 6 ist dieser zweite Anteil so groß wie der erste, bei Kategorie 10 fast doppelt so groß (190 Prozent).
Die letzte Zeile der Tabelle zeigt die Idee dahinter. Die Mindestmenge ist in zwei bis drei Minuten verbraucht. Das reicht nicht, um ein brennendes Flugzeug ganz zu löschen. Es reicht aber, um neben dem Rumpf einen Korridor freizuhalten, durch den die Menschen herauskommen. Flugzeughersteller müssen bei der Zulassung zeigen, dass eine volle Kabine in 90 Sekunden evakuiert werden kann, und zwar nur mit der Hälfte der Notausgänge. Die Zahlen sind aufeinander abgestimmt: 90 Sekunden Evakuierung, höchstens drei Minuten Anfahrt, zwei bis drei Minuten Löschangriff. Deshalb fährt die Feuerwehr im Zweifel lieber einmal zu oft an die Bahn.
Die Düsseldorfer Flughafenfeuerwehr in Zahlen
Die Werkfeuerwehr des Düsseldorfer Flughafens gilt als größte Werkfeuerwehr in Nordrhein-Westfalen. Nach Angaben im Überblick der Wikipedia arbeiten dort rund 200 Einsatzkräfte im 24-Stunden-Schichtdienst. Zum Fuhrpark gehören 36 Fahrzeuge, darunter sechs Flugfeldlöschfahrzeuge. Zwei davon haben einen Gelenklöscharm, mit dem die Feuerwehr von oben in einen Rumpf oder ein Triebwerk löschen kann. Dazu kommen eine Rettungstreppe, mit der die Einsatzkräfte an die Türen großer Flugzeuge gelangen, und ein eigener Gebäudelöschzug für das Terminal.
Wenn du also an der Bahn Löschfahrzeuge mit Blaulicht siehst: Meist warten sie auf ein Flugzeug, das gleich ganz normal aufsetzt. Kann es wegen einer Sperrung nicht landen, geht es zum Ausweichflughafen, wie in Ausweichlandung in Düsseldorf und Köln beschrieben.
Nicht verwechseln: Die Wasserfontäne
Manchmal fahren Flughafenfeuerwehren auch ohne Notlage an ein Flugzeug heran und schießen einen Bogen aus Wasser darüber. Das ist die sogenannte Wassertaufe, ein Salut zum Erstflug einer neuen Verbindung, zur Ankunft eines neuen Flugzeugtyps oder zum Abschied eines Kapitäns. Das Flugzeug rollt dabei langsam unter den Fontänen hindurch, das Blaulicht bleibt aus.
Was du im Radar erkennst
- Squawk 7700: Die Crew hat einen Notfall erklärt. Viele Radarkarten heben das Flugzeug dann farbig hervor.
- Direkter Anflug: Das Flugzeug bekommt eine Abkürzung und überspringt Warteschleifen.
- Umkehr kurz nach dem Start: Das Flugzeug fliegt eine Schleife und landet am Startflughafen, oft nach Vogelschlag oder einer Warnmeldung.
- Pause auf der Bahn: Bleibt das Flugzeug nach der Landung auf der Bahn stehen, schauen sich die Einsatzkräfte Fahrwerk und Bremsen von außen an. Ankommende Flüge müssen dann warten oder durchstarten.
Die Löschfahrzeuge selbst siehst du im Live-Radar nicht. Du siehst nur das Flugzeug, auf das sie warten.
▸ Im Live-Radar nachsehen, was gerade über dir fliegtHäufige Fragen
Warum steht die Feuerwehr bei einer Landung an der Bahn?
Weil die Crew ein technisches Problem gemeldet hat. Normalerweise hat die Flughafenfeuerwehr höchstens drei Minuten, um jeden Punkt der Bahn zu erreichen. Steht sie schon vor der Landung dort, ist sie im Ernstfall sofort am Flugzeug. Die meisten dieser Einsätze enden ohne Zwischenfall.
Was ist die Drei-Minuten-Regel der Flughafenfeuerwehr?
Nach den Regeln der ICAO und der EASA muss die Flughafenfeuerwehr vom ersten Alarm bis zu jedem Punkt jeder aktiven Start- und Landebahn höchstens drei Minuten brauchen, das Ziel sind zwei Minuten. Grundlage ist, dass eine volle Kabine in 90 Sekunden evakuiert werden kann und die Feuerwehr den Fluchtweg bis dahin freihalten soll.
Welche Feuerwehr-Kategorie braucht ein Flughafen für den A380?
Kategorie 10, die höchste. Der A380 ist zwar nur 72,7 Meter lang, sein Rumpf ist mit 7,1 Metern aber breiter als die in Kategorie 9 erlaubten 7 Meter. Bei weniger als 700 Bewegungen in den drei verkehrsreichsten Monaten darf ein Flughafen eine Kategorie niedriger planen.
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