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Segelflieger, Ballone und Luftschiffe im Radar: Die langsamen Punkte über NRW

2026-09-29 · TOWER LOG

Segelflugzeuge und Heißluftballone fehlen im Live-Radar meistens. Sie senden kein ADS-B auf 1090 MHz, sondern höchstens FLARM, ein schwaches Warnsignal auf 868 MHz, das nur Spezialnetze wie das Open Glider Network empfangen. Der Zeppelin NT, der seit 2024 vom Flughafen Essen/Mülheim über das Ruhrgebiet fährt, taucht dagegen mit Transponder auf. Erkennbar ist er am Kennzeichen D-L… und an einem Tempo, das eher zu einem Auto auf der Landstraße passt.

Die kurze Antwort als Tabelle

LuftfahrzeugWas es typischerweise sendetIm ADS-B-Radar?Kennzeichen in Deutschland
SegelflugzeugFLARM (868 MHz), manchmal zusätzlich Transpondermeist neinD- plus vier Ziffern, z. B. D-1234
MotorseglerFLARM, oft Mode-S-TransponderteilweiseD-K…
Heißluftballonmeist nichts, Transponder nur in Sonderfällenfast nieD-O…
Zeppelin NTTransponderjaD-L…
Verkehrsflugzeug zum VergleichADS-B auf 1090 MHz, PflichtimmerD-A…

Die Kennzeichen-Systematik erklären wir ausführlich in Flugzeug-Kennzeichen entschlüsseln.

Zwei Funksysteme, zwei Welten

Unser Live-Radar zeigt, was Flugzeuge per ADS-B oder Mode S auf 1090 MHz aussenden. Ein Verkehrsflugzeug funkt dort mit einer Sendeleistung von einigen hundert Watt. Deshalb reichen wenige Empfänger am Boden, um ganz Nordrhein-Westfalen abzudecken, auch in großer Entfernung.

Segelflieger nutzen dagegen seit den 2000er-Jahren fast flächendeckend FLARM. Das System stammt aus der Schweiz und hat eine andere Aufgabe: Es soll zwei Segelflugzeuge, die in derselben Thermik kreisen, voreinander warnen. Dafür reicht ein kurzer Radius. FLARM sendet auf 868 MHz mit nur rund 10 bis 25 Milliwatt. Ein ADS-B-Empfänger auf 1090 MHz hört davon nichts.

Wer die Segler trotzdem sehen will, braucht ein eigenes Empfangsnetz. Das Open Glider Network (OGN) ist ein solches Netz aus ehrenamtlich betriebenen Empfängern, meist an Segelfluggeländen. Weil das Signal so schwach ist, braucht es viel mehr Stationen als ADS-B, und außerhalb der Flugplätze gibt es Lücken. Die Karte des OGN ist öffentlich unter live.glidernet.org erreichbar.

Warum Segler trotzdem manchmal auftauchen

Einige Segelflugzeuge haben zusätzlich einen Transponder an Bord, vor allem Leistungssegler, die auch in der Nähe von Kontrollzonen unterwegs sind. Für Motorsegler ist ein Transponder üblicher. In sogenannten Transponder-Pflichtzonen (TMZ) muss er eingeschaltet sein. Ausnahmen gibt es nur für Segelflugzeuge und Ballone ohne ausreichende Stromversorgung. Nur wenn der Transponder auch die Position mitsendet, entsteht im Radar ein sauberer Punkt. Welche Lufträume über NRW wie geregelt sind, steht in Luftraum C, D und E über NRW.

Das Flugbild: So sieht ein Segler in der Thermik aus

Wenn ein Segelflugzeug doch im Radar erscheint, ist es an seiner Spur leicht zu erkennen. Es kreist eng, um in einem Aufwind zu bleiben. Wie eng, lässt sich selbst ausrechnen.

Eigene Rechnung: Kreisflug in der ThermikWert
Fluggeschwindigkeit90 km/h = 25 m/s
Querlage40 bis 45 Grad
Kurvenradius (r = v² / (g · tan Querlage))ca. 64 bis 76 m
Kreisdurchmesserca. 130 bis 150 m
Dauer eines Vollkreisesca. 16 bis 19 Sekunden

Vereinfachte Rechnung für einen koordinierten Kurvenflug ohne Wind. Zum Vergleich: Ein Verkehrsflugzeug in der Warteschleife braucht für eine Richtungsänderung von 180 Grad rund eine Minute.

Weil die Thermik mit dem Wind wandert, werden aus den Kreisen im Radar Spiralen, die sich windabwärts verschieben. Danach fliegt der Segler schnell und fast geradeaus zum nächsten Aufwind. Genau dieses Muster aus Spirale, Gerade, Spirale unterscheidet ihn von einem Flugzeug in der Warteschleife. Andere Kreismuster erklärt der Artikel Flugzeug kreist über meiner Stadt.

Ein Zentrum des Segelflugs liegt in Ostwestfalen: Der Flugplatz Oerlinghausen am Teutoburger Wald zählt nach Angaben der Stadt und der Region mit rund 25.000 Segelflugstarts pro Jahr zu den größten Segelfluggeländen Europas. An guten Thermiktagen im Frühjahr und Sommer ist der Himmel darüber voller Segler, die in keinem ADS-B-Radar auftauchen.

Heißluftballone: Sie fahren, nicht fliegen

Ballonfahrer sprechen bewusst von Fahren. Ein Heißluftballon hat keinen Antrieb nach vorn und bewegt sich exakt mit dem Wind. Der Pilot kann nur Höhe wählen und so Luftschichten mit etwas anderer Windrichtung suchen. Wo die Fahrt endet, entscheidet das Wetter. Typisch sind Strecken von 5 bis 30 Kilometern.

Im Sommer sieht man Ballone fast nur früh morgens oder am Abend, etwa zwei Stunden vor Sonnenuntergang. Tagsüber erzeugt die Sonne Thermik. Die aufsteigende Luft würde den Ballon unkontrolliert heben und senken. Morgens und abends ist die Luft stabiler. Das ist das genaue Gegenteil zum Segelflug, der die Mittagsthermik braucht.

Im Radar sieht man Ballone praktisch nie, weil sie meist keinen Transponder mitführen. Selbst wenn, wäre der Punkt kaum zu erkennen: Bei 10 km/h Wind bewegt sich ein Ballon in einer Stunde nur 10 Kilometer weit. Auf der Karte wirkt er, als stünde er still.

Der Zeppelin über dem Ruhrgebiet

Das auffälligste langsame Luftfahrzeug über NRW ist der Zeppelin NT. Seit Mai 2024 startet er vom Flughafen Essen/Mülheim zu Rundfahrten, unter anderem über Zollverein, den Baldeneysee, Duisburg und auf einer längeren Route bis Düsseldorf und Neuss. Betreiber ist die Deutsche Zeppelin-Reederei aus Friedrichshafen. Er löste in Mülheim das frühere WDL-Luftschiff „Theo“ ab. Luftschiffe haben dort eine lange Tradition, die WDL-Gruppe betreibt Luftschiffe am Standort seit Jahrzehnten.

Zeppelin NT 07Wert
Länge75,1 m
Hüllenvolumen8.450 m³
Reisegeschwindigkeitca. 100 km/h
Höchstgeschwindigkeitca. 130 km/h
Flughöhe bei Rundfahrtenca. 300 m
Insassen2 Piloten, bis zu 13 Fluggäste

Im Radar fällt der Zeppelin auf, weil er für ein Luftfahrzeug mit Transponder ungewöhnlich langsam und niedrig unterwegs ist. Ein Verkehrsflugzeug im Endanflug auf Düsseldorf ist mit rund 250 bis 270 km/h mehr als doppelt so schnell. Die Geschwindigkeit im Radar ist dabei immer die Geschwindigkeit über Grund. Bei Gegenwind kann ein Luftschiff im Radar fast auf der Stelle stehen. Warum das so ist, erklärt der Artikel Groundspeed im Radar.

So erkennst du die langsamen Punkte

Was sonst noch im Radar fehlt, von Militärjets bis zu Polizeihubschraubern, steht in Militärflugzeuge und Hubschrauber im Radar.

▸ Im Live-Radar nachsehen, was gerade über dir fliegt

Häufige Fragen

Warum sehe ich Segelflugzeuge nicht im Flugradar?

Die meisten Segelflugzeuge senden kein ADS-B auf 1090 MHz, sondern nur FLARM auf 868 MHz. FLARM ist ein Kollisionswarnsystem mit sehr geringer Sendeleistung, das normale ADS-B-Empfänger nicht hören. Sichtbar werden Segler nur, wenn sie zusätzlich einen Transponder mit Positionsmeldung haben, oder in Spezialnetzen wie dem Open Glider Network.

Sind Heißluftballone im Radar zu sehen?

Fast nie. Heißluftballone führen meist keinen Transponder mit. Ausnahmen gibt es etwa bei Nachtfahrten oder in Transponder-Pflichtzonen. Selbst dann bewegt sich ein Ballon so langsam mit dem Wind, dass sein Punkt auf der Karte kaum wandert.

Welches Luftschiff fliegt über das Ruhrgebiet?

Seit Mai 2024 fährt ein Zeppelin NT der Deutschen Zeppelin-Reederei vom Flughafen Essen/Mülheim aus Rundfahrten über das Ruhrgebiet und bis nach Düsseldorf. Er ist 75 Meter lang, fährt bei Rundfahrten in rund 300 Metern Höhe und ist mit Transponder im Radar zu sehen.

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