Welche Bahn nutzt Köln/Bonn heute? Betriebsrichtung 13/31 und 06/24 erklärt
Köln/Bonn fliegt fast immer über die große Bahn 13L/31R – entweder in Betriebsrichtung 31 (Starts und Landungen Richtung Nordwest, Anflug über den Rhein-Sieg-Kreis) oder in Betriebsrichtung 13 (Richtung Südost, Anflug quer über Köln). Welche gilt, entscheidet die Deutsche Flugsicherung nach dem Wind; erlaubt sind höchstens 5 Knoten Rückenwind. Weht es kräftig quer zur Hauptbahn, also aus Südwest oder Nordost, kommt die Querwindbahn 06/24 ins Spiel.
Erst mal die Namen: 13/31 statt 14/32
Wer nach „Betriebsrichtung 14 oder 32“ sucht, findet viele ältere Texte – die Bezeichnungen stimmen aber nicht mehr. Am 18. April 2024 wurden die beiden Parallelbahnen umbenannt, weil sich das Erdmagnetfeld verschoben hat und die Bahnnummer immer den gerundeten magnetischen Kurs angibt. Seitdem gilt:
| Bahn | Länge | Früherer Name | Rolle |
|---|---|---|---|
| 13L/31R | 3.815 m | 14L/32R | große Hauptbahn, trägt den Großteil des Verkehrs |
| 13R/31L | 1.863 m | 14R/32L | kurze Parallelbahn, nachts keine Starts |
| 06/24 | 2.459 m | unverändert | Querwindbahn, überwiegend für Landungen |
Die Logik dahinter: 31 heißt, die Maschinen rollen auf rund 310 Grad, also Richtung Nordwest. 13 ist dieselbe Piste in Gegenrichtung, rund 130 Grad, Südost. Bei der Querwindbahn zeigt 24 nach Südwest und 06 nach Nordost. Wer wo welchen Anflug hört, ist ausführlich in Anflugrouten Köln/Bonn erklärt beschrieben – hier geht es darum, warum an einem bestimmten Tag eine bestimmte Richtung läuft.
Die Grundregel: gegen den Wind, höchstens 5 Knoten Rückenwind
Flugzeuge starten und landen gegen den Wind, weil Gegenwind die nötige Geschwindigkeit über Grund senkt (das Prinzip steht in Warum starten Flugzeuge gegen den Wind?). In Köln/Bonn gilt zusätzlich aus Lärmschutzgründen eine Obergrenze von 5 Knoten Rückenwindkomponente – rund 9 km/h. Liegt der Rückenwind darunter, darf die Flugsicherung eine Richtung auch dann beibehalten, wenn sie nicht genau gegen den Wind zeigt.
Entscheidend ist dabei nicht die Windrichtung allein, sondern ihr Anteil entlang der Bahn. Ein paar Beispiele bei 15 Knoten Wind (gerundet, ohne magnetische Korrektur):
| Wind aus | Wirkung auf die Hauptbahn | Typische Richtung |
|---|---|---|
| West (270°) | ca. 11 kt Gegenwind auf der 31 | 31 |
| Nordwest (310°) | voller Gegenwind auf der 31 | 31 |
| Südwest (240°) | nur ca. 5 kt Gegenwind, aber ca. 14 kt Querwind | 31 – bei Sturm teils 24 |
| Süd (180°) | ca. 10 kt Gegenwind auf der 13 | 13 |
| Ost (090°) | ca. 11 kt Gegenwind auf der 13 | 13 |
| Nordost (045°) | fast reiner Querwind | 13 oder 31 – bei kräftigem Wind teils 06 |
Warum Köln/Bonn keine klare Vorzugsrichtung hat
In Düsseldorf liegen die Bahnen fast genau in der Hauptwindrichtung: Der in NRW vorherrschende Südwestwind bläst praktisch der Betriebsrichtung 23 entgegen, deshalb läuft dort der größte Teil des Jahres in eine Richtung (siehe Betriebsrichtung 05 vs. 23 in Düsseldorf). In Köln/Bonn steht die Hauptbahn dagegen schräg zu diesem Wind. Ein Südwestwind trifft sie in einem Winkel von rund 70 Grad – er drückt vor allem seitlich und liefert nur einen kleinen Gegenwindanteil auf der 31.
Die Folge: An vielen Tagen ist der Wind entlang der Bahn so schwach, dass beide Richtungen innerhalb der 5-Knoten-Grenze liegen. Ein Südwestwind mit 5 Knoten erzeugt auf der 13 weniger als 2 Knoten Rückenwind – formal sind dann beide Richtungen zulässig. Eine Auswertung der Initiative Fluglärmschutz Rhein-Berg kam für 2017 bis 2019 zu dem Ergebnis, dass die Flugsicherung je nach Bahn und Jahr in 58 bis 72 Prozent der Fälle mit Wind unter 5 Knoten völlig frei wählen konnte. Entsprechend verschiebt sich die Verteilung über die Jahre: Der Anteil der Abflüge in Richtung 31 (damals 32) stieg nach derselben Quelle von 22,2 Prozent im Jahr 1992 auf 45,5 Prozent im Jahr 2017.
Für Anwohner heißt das: In Köln/Bonn wechselt die Betriebsrichtung häufiger und weniger vorhersehbar als in Düsseldorf. Ein Wetterbericht mit „schwachem Wind“ sagt fast nichts darüber, ob morgen über Porz oder über Lohmar angeflogen wird.
Wann die Querwindbahn 06/24 dran ist
Die dritte Bahn wird vergleichsweise selten und überwiegend für Landungen genutzt. Typische Anlässe:
- Kräftiger Wind quer zur Hauptbahn. Gerade Herbst- und Winterstürme in NRW kommen oft aus Südwest – genau die Richtung, in die die 24 zeigt. Dann können Landungen auf die 24 gelegt werden, die Anflüge kommen aus Nordosten herein. Bei kräftigem Nordostwind gilt dasselbe spiegelverkehrt für die 06 mit Anflug aus Südwesten.
- Arbeiten an der großen Bahn. Wird die 13L/31R gesperrt, verteilt sich der Verkehr auf die Querwindbahn und die kurze Parallelbahn. Weil die kurze Bahn nur 1.863 Meter misst, landet schwerer Verkehr dann vor allem auf der 06/24.
- Entlastung im Tagesbetrieb. Bei Bedarf werden einzelne Landungen auf die Querwindbahn gelegt, während auf der Hauptbahn gestartet wird.
Weil die 06/24 so selten im Einsatz ist, fällt sie unter ihrer Anfluglinie besonders auf: Plötzlich fliegen Maschinen über Orte, über denen sonst monatelang Ruhe ist.
Nachts gelten zusätzliche Regeln
Zwischen 22 und 6 Uhr bestimmt nicht der Wind allein, sondern die Bahnnutzungsregelung des Flughafens:
- Landungen von der Kölner Seite – also in Betriebsrichtung 13 – sind untersagt.
- Starts auf der kurzen Parallelbahn 13R/31L sind untersagt.
- Die Querwindbahn darf nicht aus Westen kommend angeflogen und nicht in Richtung Westen verlassen werden.
Praktisch kommen die nächtlichen Landungen damit im Regelfall aus Südosten über den Rhein-Sieg-Kreis auf die große Bahn herein – das ist die Hauptlast der Expressfracht, über die Nachtflüge Köln/Bonn mehr erzählt. Nach Beobachtung der Lärmschutzinitiativen wird die nächtliche Richtung meist um 22 Uhr festgelegt und bis 6 Uhr beibehalten; der Anteil der Richtung 31 lag nachts im Schnitt rund zehn Prozentpunkte über dem Tageswert.
So erkennst du die aktuelle Betriebsrichtung in zehn Sekunden
Du musst dafür keine Wetterdaten auswerten. Öffne das Live-Radar von aplanebox.com und schau auf die tief fliegenden Maschinen rund um den Flughafen in Wahn:
- Sinken die Flugzeuge aus Südosten (über Lohmar, Hennef-Nord) auf den Flughafen zu und steigen die Starts Richtung Nordwest weg → Betriebsrichtung 31.
- Kommen sie aus Nordwesten quer über Köln (Mülheim, Kalk, Porz) herein → Betriebsrichtung 13.
- Landet ein Teil aus Nordosten oder Südwesten auf einer schräg dazu liegenden Linie → die Querwindbahn 06/24 ist aktiv.
Die Höhenangabe hilft beim Unterscheiden: Wer unter 1.000 Metern auf den Flughafen zuhält, ist im Endanflug; eine Maschine in 10.000 Metern ist nur Durchgangsverkehr. Mehr zur Region auf der Themenseite Flugzeuge über Köln.
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Welche Betriebsrichtung hat der Flughafen Köln/Bonn heute?
Das hängt vom Wind ab und kann sich im Tagesverlauf ändern. Bei Wind aus West bis Nordwest läuft in der Regel Betriebsrichtung 31 mit Anflug aus Südosten, bei Wind aus Süd bis Ost Betriebsrichtung 13 mit Anflug quer über Köln. Am schnellsten siehst du es auf einem Live-Radar: Aus welcher Richtung die tief fliegenden Maschinen auf den Flughafen zuhalten, verrät die aktive Richtung.
Heißen die Bahnen in Köln/Bonn noch 14/32?
Nein. Seit dem 18. April 2024 heißen die Parallelbahnen 13L/31R und 13R/31L, weil sich das Erdmagnetfeld verschoben hat. Die Querwindbahn heißt weiterhin 06/24.
Wie viel Rückenwind ist in Köln/Bonn erlaubt?
Aus Lärmschutzgründen höchstens 5 Knoten Rückenwindkomponente, also etwa 9 km/h. Darunter kann die Flugsicherung eine Betriebsrichtung beibehalten, auch wenn der Wind nicht genau von vorn kommt.
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Windbeispiele sind vereinfachte Rechnungen, keine amtlichen Werte. Anteile und Ermessensquoten nach Auswertungen der Initiative Fluglärmschutz Rhein-Berg. Stand Oktober 2026, ohne Gewähr.